Banknoten

Das „Paradoxon der Banknoten“

Das „Banknoten-Paradoxon“:
Warum der Bargeldwert steigt, während die Nutzung sinkt

Das Banknoten-Paradoxon

Das „Banknoten-Paradoxon“ beschreibt einen faszinierenden Trend im Euroraum: Während Verbraucher Bargeld immer seltener für tägliche Einkäufe nutzen, steigt der Gesamtwert der im Umlauf befindlichen Euro-Banknoten weiterhin deutlich an. Diese Divergenz erklärt sich durch die zunehmende Funktion von Bargeld als sicherer Wertaufbewahrungsort (Sicherer Hafen), sowohl im Inland als auch international.

Rückgang der transaktionalen Nutzung (Der „Cash-Less“-Trend)

Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen deutlich eine Abkehr vom Bargeld am Point-of-Sale (POS):

Kennzahl Daten 2016 Daten 2022 Veränderung Quelle
Anteil des Bargelds an POS-Transaktionen (nach Anzahl) 79 % 59 % -20 Prozentpunkte EZB (SPACE-Studie)
Anteil der Kartenzahlungen an POS-Transaktionen (nach Anzahl) ~19 % 34 % +15 Prozentpunkte EZB (SPACE-Studie)

Wachstum des Gesamtwerts (Der „Cash-More“-Trend)

Im Gegensatz zur sinkenden Nutzungshäufigkeit hat sich der Gesamtwert der im Umlauf befindlichen Euro-Banknoten seit den Anfangsjahren der Währung mehr als verdoppelt, was den Trend zur Hortung verdeutlicht:

Kennzahl Daten 2009 Daten Juli 2023 Wachstumsrate Quelle
Gesamtwert der im Umlauf befindlichen Euro-Banknoten 776 Mrd. € ca. 1,569 Bio. € Über 100 % Steigerung EZB
Umlaufwert pro Einwohner des Euroraums 2.400 € ca. 4.500 € +87 % Analyse von EZB-Daten

Die Komponenten, die die Nachfrage nach Banknoten antreiben

Untersuchungen der EZB führen das Wachstum des Gesamtwerts primär auf zwei nicht-transaktionale Zwecke zurück:

  • Wertaufbewahrung (Horten): Gehalten von Haushalten und Unternehmen im Euroraum als Vorsorge gegen finanzielle Instabilität oder systemische Risiken oder einfach als Sparform.
  • Ausländische Nachfrage: Gehalten außerhalb des Euroraums, wo der Euro als stabile Parallelwährung fungiert, insbesondere in Regionen mit weniger verlässlichen Finanzsystemen.

Geschätzter Anteil am Gesamtwert im Umlauf (Nicht-transaktional vs. Transaktional)

Nachfragekomponente Geschätzter Anteil am Gesamtwert Hauptzweck Quelle
1. Ausländische Nachfrage 30 % bis 50 % Internationaler Wertaufbewahrungsort/Parallelwährung ECB Occasional Paper Series No 253 (2021)
2. Wertaufbewahrung (Horten) ~40 % Inländische Ersparnisse und Vorsorgereserve Banque de France / EZB-Schätzungen
3. Transaktionale Nachfrage ~10 % bis 20 % Tägliche Einkäufe und Zahlungen Banque de France / EZB-Schätzungen

Wichtige Erkenntnis: Die hohe Nachfrage nach Bargeld wird primär durch Banknoten mit hohem Nennwert (50 €, 100 € und 200 €) getrieben, die über lange Zeiträume gehalten werden und selten in täglichen Transaktionen auftauchen, was ihre Funktion als sicherer, kompakter Wertaufbewahrungsort (sicherer Hafen) bestätigt.

Quellen & Links:

Geldautomaten und POS in Europa – Statistiken & Fakten (Statista)

Zahlungsverkehrsstatistiken: erstes Halbjahr 2024 (Europäische Zentralbank)

PDF: Trends im Bargeldkreislauf (Banque de France)

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Agentur Best